Die Falkenhaube – ein Handwerk für einen einzigen Vogel
Kein Gegenstand steht so sehr für die Falknerei wie die kleine Lederhaube auf dem Kopf des Falken. Das schreiben The Archives of Falconry in den USA.1 Die Haube sieht einfach aus, gehört aber zum feinsten Handwerk der Falknerei. Eine gute Haube ist nämlich keine Konfektionsgröße. Der Dänische Falknerclub (Dansk Falkejagt Klub) formuliert es so: Jeder Falke hat seine eigene Haube, die nur ihm passt. Es gibt nie zwei Vögel oder zwei Hauben, die völlig gleich sind.2
Dies ist die Geschichte der Haube: von den ersten arabischen Falknern über Kaiser, Könige und niederländische Haubenmacher bis zu den Werkstätten von heute. Und davon, warum jede einzelne Haube an genau den Vogel angepasst werden muss, der sie tragen soll.
Inhalt
- Warum wird der Falke ruhig?
- Vom Nahen Osten nach Europa
- Die erste "Werkzeichnung": Friedrichs Anforderungen an eine Haube
- Hauben im Boden – was Ausgrabungen erzählen
- Mittelalter und Renaissance: die Haube wird zum Kunstwerk
- Valkenswaard: das Dorf der Haubenmacher
- Hauben des Ostens: arabisch, persisch, indisch
- Die Haube des Adlers: die kasachische Tomaga
- Viele Traditionen, viele Materialien
- Anglo-indisch und amerikanisch: die Haube neu erfunden
- Das Handwerk: So entsteht eine Haube für einen bestimmten Vogel
- Die Haube heute
- Die Haube im Adlerreservat
- Anmerkungen

Ein großes Gerfalken-Weibchen mit der Haube Ivan sitzt ganz ruhig. Die Haube ist so geformt, dass sie die Augen nicht berührt und der Schnabel frei bleibt.
Warum wird der Falke ruhig?
Greifvögel orientieren sich fast ausschließlich mit den Augen. Eine passende Haube kann dem Vogel deshalb Stress in fremder Umgebung ersparen, schreibt der Dänische Falknerclub.2 Was der Vogel nicht sieht, darauf reagiert er nicht. Laut Encyclopaedia Britannica werden vor allem Falken von Beginn der Ausbildung an an die Haube gewöhnt. Ohne Haube sieht der Falke ständig etwas, dem er nachjagen will, und verbraucht Kraft beim Versuch, vom Handschuh abzuspringen.3
Zitat
"Verhülle mein ungezähmtes Blut, das in meinen Wangen flattert, mit deinem schwarzen Mantel, bis fremde Liebe kühn wird."
"Hood my unmanned blood, bating in my cheeks,
With thy black mantle till strange love grow bold"Julia bittet die Nacht, wie eine Haube zu wirken. "Unmanned" (ungezähmt) und "bating" (der Vogel, der unruhig von der Faust springt) sind Falknerwörter.
— Julia in Shakespeares Romeo und Julia (um 1597), 3. Akt, 2. Szene. Deutsch: freie Übersetzung.4
Die Wirkung wurde auch gemessen. In einer amerikanischen Studie wurden acht Rotschwanzbussarde 15 Minuten lang gehandhabt, mit und ohne Haube. Mit Haube hatten die Vögel deutlich niedrigere Herz- und Atemfrequenzen.5 Allen Stress nimmt die Haube aber nicht. Eine ältere Studie an Rotschulterbussarden zeigte, dass der Puls auch bei verhaubten Vögeln stieg, wenn sie gehandhabt wurden.6 Die Haube ist also ein Hilfsmittel und keine Entschuldigung für grobes Handling. Die britische Organisation The Hawk Board empfiehlt deshalb, Hauben nicht über längere Zeit aufzulassen.7
Für den Vogel ist die Haube zugleich ein Signal: Wird sie abgenommen, geht es ans Fliegen.8
Vom Nahen Osten nach Europa
Laut UNESCO wird die Falknerei seit mehr als 4.000 Jahren betrieben.9 Wo sie entstand, ist umstritten. Der Historiker Hans J. Epstein verband sie 1943 mit den frühen Hochkulturen des Nahen Ostens. Neuere Forschung verweist auch auf die asiatischen Steppen und darauf, dass die Falknerei vielleicht an mehreren Orten entstanden ist.1011
Bei der Haube sind sich die Quellen einiger: Sie kam aus der arabischen Welt nach Europa. Die wichtigste Quelle ist Kaiser Friedrich II. (1194–1250) mit seinem großen Werk über die Falknerei, De arte venandi cum avibus ("Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen"). Friedrich schreibt, die Falkenhaube sei eine Erfindung "orientalischer Völker", und nach seinem Wissen hätten die Araber sie als Erste in Gebrauch genommen. Er sah sie selbst in Gebrauch, als er "über das Meer fuhr", vermutlich während seines Kreuzzugs 1228–1229.12 Arabische Fürsten schickten ihm Falken und Falkner, die Experten im Umgang mit der Haube waren. Er übernahm die Methode, und nach eigener Aussage lernten seine Zeitgenossen den Gebrauch der Haube von ihm (sinngemäß nach der englischen Ausgabe von Wood und Fyfe, 1943).13 Eine prachtvoll illustrierte Handschrift des Werks hat die Vatikanische Bibliothek digitalisiert.14
Deshalb gilt Friedrich oft als derjenige, der die Haube in Europa einführte, etwa beim Orden Deutscher Falkoniere: "Friedrich II. führte unter anderem die heute noch gebräuchliche Falkenhaube in den Westen ein".15 Harting schreibt sogar, die Haube sei den europäischen Falknern vor den Kreuzzügen unbekannt gewesen, und Friedrich habe sie "von den syrischen Arabern" übernommen.16

Historisches Bild von Königen und Adligen mit Gerfalken in feinen, kostbaren Hauben, hier mit Perlen besetzt. Bildnis der Königin Sophie Amalie von Abraham Wuchters, 1667. Nationalhistorisches Museum, Schloss Frederiksborg.
Die erste "Werkzeichnung": Friedrichs Anforderungen an eine Haube
Friedrich beschrieb auch, wie eine Haube gemacht sein muss. Seine Beschreibung liest sich noch heute fast wie eine Werkzeichnung für Haubenmacher (sinngemäß nach Wood und Fyfe):13
- Die Haube ist aus Leder und umschließt den Kopf bis hinunter zur Kehle. Nur Schnabel und Nasenlöcher bleiben frei.
- Das Leder darf weder zu hart noch zu weich sein.
- Die Haube muss in jeder Hinsicht der Form und Größe des Kopfes genau dieses Falken entsprechen.
- Über Scheitel und Augen muss sie weiter sein, damit sie nicht auf die Augen drückt, und an der Kehle enger, damit sie sitzen bleibt.
- Der Falke darf nichts sehen, muss aber frei atmen können.
Friedrich fügte selbst kleine Luftlöcher im Scheitel hinzu. Er hatte bemerkt, dass der Kopf des Falken unter der Haube zu warm wurde und sich danach abkühlte, wenn die Haube abgenommen wurde.13
Schon vor rund 800 Jahren war der Grundgedanke also derselbe wie heute: Die Haube wird dem Vogel angepasst, nicht umgekehrt.
Hauben im Boden – was Ausgrabungen erzählen
Im Norden ist die Beizjagd viel älter als die Haube. In schwedischen Gräbern der Oberschicht ab dem 6. Jahrhundert, etwa in Gamla Uppsala, Vendel, Valsgärde und Rickeby, fanden Archäologen Knochen von Habichten, Sperbern und Wanderfalken, oft zusammen mit Pferden, Hunden und Beutetieren wie Kranichen.1718 Im Gokstad-Hügel in Norwegen, in dem um das Jahr 910 ein Mann bestattet wurde, lagen zwei Habichte unter den Grabbeigaben. Es ist der erste sichere Fund von Greifvögeln in einem norwegischen eisenzeitlichen Grab.19
Aus der Wikingerzeit ist, soweit bekannt, keine Haube gefunden worden. Das passt zu den schriftlichen Quellen, nach denen die Haube erst im 13. Jahrhundert nach Europa kam.16 Leder bleibt im Boden selten erhalten. Deshalb sind die ältesten ausgegrabenen Hauben wenige und späte Funde. Einer der klarsten ist eine schlichte Haube aus dünnem, weichem Kalbsleder aus dem 14. Jahrhundert, die 2006 beim Palast der Großfürsten von Litauen in Vilnius ausgegraben wurde.20 Aus dem mittelalterlichen Russland kennt man Lederriemen, die zusammen mit Beinknochen von Vögeln gefunden wurden. Die Forschung diskutiert, ob es Geschüh von Falknern oder Amulette sind.21
Mittelalter und Renaissance: die Haube wird zum Kunstwerk
In den Falknereien der europäischen Höfe wurde die Haube zum Statussymbol. Das Victoria and Albert Museum in London besitzt eine englische Haube aus dem frühen 17. Jahrhundert aus goldgeprägtem Leder mit Seidensamt und Silberstickerei. Der Federbusch obendrauf ist Schmuck und zugleich Griff zum Abnehmen der Haube.22 Das Metropolitan Museum of Art in New York hat eine europäische Haube aus Leder und Filz aus dem 17. Jahrhundert.23
Zitat
"Das ist ein verhaubter Mut, und wenn er sich zeigt, flattert er nur."
"'Tis a hooded valor, and when it appears, it will bate."
Der französische Konnetabel verspottet den Mut eines Mannes: Er bleibt verborgen wie ein verhaubter Falke und flattert nur unruhig, statt zu fliegen, wenn die Haube abkommt.
— Shakespeare, Heinrich V. (um 1599), 3. Akt, 7. Szene. Deutsch: freie Übersetzung.24
Die Falkner unterschieden zwei Arten von Hauben. Die eine war eine schlichte, weite Lederhaube ohne Federbusch. Sie war hinten weit offen, der Vogel konnte durch sie kröpfen, und sie wurde benutzt, solange ein frisch gefangener Vogel zahm gemacht wurde. War der Vogel abgetragen, bekam er die "eigentliche" Haube mit Federbusch.16 Auf Französisch hieß die Haube chaperon, auf Niederländisch huif.16

Der Federbusch ist Schmuck und Griff zugleich. Mit ihm nimmt der Falkner die Haube mit einer Hand ab.
Valkenswaard: das Dorf der Haubenmacher
Ab dem 16. Jahrhundert waren die Heiden Hollands und Brabants Europas Zentrum für den Fang und die Ausbildung von Beizfalken. Die Heiden lagen auf der Zugroute des Wanderfalken, und vor allem das Dorf Valkenswaard schickte Falkner an Fürstenhöfe in ganz Europa. Laut dem örtlichen Falknereimuseum stellten die niederländischen Falkner ihre Ausrüstung selbst her: Hauben (huiven), Glocken, Riemen und Geschühe.25
Es gibt auch eine dänische Verbindung. Laut dem Falconry Heritage Trust wurden die Geschenkfalken der dänischen Könige auf Tragereck und verhaubt an die Höfe Europas gebracht, begleitet von dänischen oder niederländischen Falknern. Allein zwischen 1731 und 1793 wurden laut derselben Quelle 4.600 dänische "Geschenke" verschickt.26
Die Familie Mollen wurde zum Inbegriff der holländischen Haube. Adriaan Mollen (1816–1895) war Oberfalkner des niederländischen Königs. Sein Sohn Karel Mollen (1854–1935) war Falkenfänger und Abrichter und bekannt für seine Glocken und Hauben.2627 Laut The Archives of Falconry war die holländische Haube der Mollens in den USA noch in den 1920er- und 1930er-Jahren der Standard. Mit dem Tod Karel Mollens endete der Nachschub.1
Die holländische Haube wird aus drei Lederteilen genäht, über einem Block aus Holz oder Metall geformt und hinten mit zwei Zugriemen (englisch braces) geschlossen. Sie behält ihre Form und lässt den Augen Raum. Laut The Archives of Falconry waren die klassischen holländischen Hauben allerdings schwer und hatten eine starre, rechteckige Schnabelöffnung, durch die ein Falke oft nicht gewöllen konnte.1

Eine Haube holländischer Art mit Zugriemen und Federknoten. Ihre Form bekommt sie über einem Haubenblock.
Hauben des Ostens: arabisch, persisch, indisch
Auf Arabisch heißt die Haube burqa (auch burga).828 Das National Museum of Qatar besitzt eine arabische Haube aus dem 19. Jahrhundert. Das Museum nennt die Haube das wichtigste Stück der Falknerausrüstung und betont, dass sie dem Falken bequem passen muss. Sonst lehnt der Vogel sie ab, und die Ausbildung wird sehr schwierig. Sie ist nach einem genauen Schnittmuster aus einem einzigen Stück weichen Leders geschnitten, und beim Zuziehen der Riemen legt sich die Rückseite in Falten.28 Diese Faltenrückseite wird auf Englisch oft accordion back genannt.
Im persischen Falknereibuch Bāz-nāma-yi Nāṣirī (1868), 1908 von D. C. Phillott ins Englische übersetzt, merkt der Übersetzer an, dass die persische Haube "anders als die indische" hinten mit Riemen geöffnet und gelockert wird. Er schreibt auch, dass ein Falke mit einer guten indischen Haube mit etwas Mühe kröpfen und gewöllen kann. In der persischen Haube kann er den Schnabel nicht weit genug öffnen, um zu gewöllen.29 Der persische Text hat sogar ein eigenes Wort für einen haubenscheuen Vogel: bad-kulāh.29
Japan. Laut The Archives of Falconry verwendeten japanische Falkner jahrhundertelang eine Haube, die einer Papiertüte ähnelt.1 (In japanischen Quellen nicht überprüft.)

Die arabische Haube, die Burqa, ist aus einem einzigen Stück weichen Leders geschnitten und hinten in Falten gelegt.
Die Haube des Adlers: die kasachische Tomaga
Bei den kasachischen Adlerjägern in der Mongolei und in Kasachstan heißt die Haube Tomaga. Laut einer Reportage in Saudi Aramco World (2005) ist sie das "symbolträchtigste" Ausrüstungsstück des Adlerjägers. Sie wird dem Adler aufgesetzt, sobald er gefangen ist. Sie ist nach Schnittmuster aus einem einzigen Stück Rindsleder geschnitten und an den Kopf jedes einzelnen Vogels angepasst, damit kein Licht eindringt und sie sich nicht abschütteln lässt.30 Eine Tomaga in einem kasachischen Museum wird als helmförmig beschrieben, mit einer Ausbuchtung für den Schnabel und einer Schnur an der Kehle.31 Der Adler reitet mit verdeckten Augen auf dem Arm und bekommt seine Sicht erst zurück, wenn er nach Beute Ausschau halten soll.32
Viele Traditionen, viele Materialien
Fakten
Es gibt verschiedene Traditionen, wie Hauben hergestellt werden: in Asien, etwa in Pakistan und der Mongolei, wo Hauben für den Steinadler verwendet werden; in Arabien für Falken; und in Europa. Die Traditionen unterscheiden sich ein wenig, im Praktischen, in der Verwendung und bei den Materialien. Die Materialien reichen von weichem Leder bis zu Schlangenhaut, Känguru- und Hirschleder und vielem mehr – die Möglichkeiten sind unzählig.
Anglo-indisch und amerikanisch: die Haube neu erfunden
Im 19. und 20. Jahrhundert kombinierten britische Falkner den indischen Schnitt mit den holländischen Zugriemen. So entstand die anglo-indische Haube. Sie wird aus einem Stück ohne Block genäht und ist leichter und einfacher. Die breite Kinnpartie erlaubt dem Vogel, mit Haube zu kröpfen und zu gewöllen.133 Der Dänische Falknerclub empfiehlt gerade die anglo-indische Haube als den Typ, den ein Falkner selbst nach Schnittmuster zu nähen beginnen kann.2
Als der Nachschub an holländischen Hauben in den 1930er-Jahren versiegte, begannen amerikanische Falkner zu experimentieren. Laut The Archives of Falconry wurden unter anderem der Deutsche Otto Kals und der französische Sattler Henri Ondet zu Vorbildern. Amerikanische Haubenmacher entwickelten später leichte, geformte Hauben. Gene Johnson kombinierte als Erster in den USA die arabische Faltenrückseite mit einer dreiteiligen holländischen Haube.1 Heute fertigen viele Haubenmacher ihre eigenen Blöcke an. Einige, etwa Steve Tait, nutzen 3D-Scans von Greifvogelschädeln und CNC-Fräsen.1
Das Handwerk: So entsteht eine Haube für einen bestimmten Vogel
Hier zeigt sich die Kunst des Haubenmachers wirklich. Eine Haube muss auf den Millimeter passen.
1. Maßnehmen. Der Haubenmacher braucht Art, Geschlecht und Fluggewicht des Vogels und am besten ein Kopfmaß. Oft wird die Breite über den Kopf direkt hinter den Augen gemessen.34 Selbst innerhalb einer Art sind die Köpfe verschieden, und bei Greifvögeln ist das Weibchen meist größer als das Männchen (der Terzel). Ein Haubenmacher hat deshalb einen Block für jede Art und Größe.234
2. Der Block. Der Block ist ein Modell des Vogelkopfes aus Holz (heute auch aus gefrästem Kunststoff oder Metall). Darüber wird das feuchte Leder geformt, damit die Haube Raum um die Augen und einen gewölbten Scheitel bekommt.12
3. Leder und Naht. Verwendet wird dünnes, festes Leder, etwa Kalbs- oder Känguruleder, genäht mit gewachstem Faden. Glattes Leder um das Gesicht lässt sich reinigen, wenn der Vogel mit Haube kröpft.35
4. Die Schnabelöffnung. Am schwierigsten ist die Schnabelöffnung. Laut dem Dänischen Falknerclub nimmt der Falkner selbst die letzte Anpassung an seinen Vogel vor. Man kann nur wenig auf einmal schneiden und schleifen. Wird die Öffnung zu groß und lässt Licht herein, ist die Haube für diesen Vogel verdorben.2 Die Haube darf weder Nasenlöcher noch Schnabelöffnung verdecken. Eine schlecht angepasste Haube kann Druckstellen an der Wachshaut verursachen, der weichen Haut am Schnabelansatz.2
Zitat
"Nun zeige ich dem Vogel die Haube, die ich mit Sorgfalt im Voraus besorgt und sehr geräumig gemacht habe, wohl etwas größer als üblich, an der Schnabelöffnung aber viel größer, als ich es je gesehen habe. Ist meine Haube passend und bequem gemacht …"
"Now I shew her the hoode, which my care hath before-hand prouided, and made very large, I thinke somewhat larger then is usuall, but much larger at the top of the beake then I euer saw vsed. My hoode made fit and easie …"
— Edmund Bert, An Approved Treatise of Hawkes and Hawking (London 1619), S. 15. Deutsch: freie Übersetzung.36
5. Die Probe. Mit Haube soll der Vogel zur Ruhe kommen. Dreht der Falke den Kopf hin und her, als würde er "nach vorbeifahrenden Zügen schauen", ist die Haube zu groß und lässt Licht herein. Kratzt er viel daran, hat er sie vielleicht nicht angenommen.2 Wenn eine perfekte Haube abgenommen wird, liegen die Kopffedern glatt und ohne Abdrücke.35 Deshalb empfiehlt der Club, für einen neuen Falken zwei Hauben bereitzuhalten: Eine wird wahrscheinlich besser sitzen als die andere.2
Zitat
"… manche würden fünf Pfund geben, andere zehn Pfund, damit ihr Habicht die Haube gut annimmt. […] Schließlich kam ich darauf, einen Habicht durch die Haube zu füttern und das Loch für den Schnabel sehr weit zu schneiden; es kostet ja nur eine verdorbene Haube."
"… some would giue fiue pounds, and some other would giue ten pounds that their hawke would hoode well. […] At length I thoght of feeding a hawke through the hoode, cutting the hole for her beake very wide, it is but the marring of a hoode."
— Edmund Bert (1619), S. 43–44. Deutsch: freie Übersetzung.36
Kein Wunder also, dass die besten Hauben als kleine Kunstwerke gelten. Laut dem Dänischen Falknerclub wetteifern die besten Haubenmacher der Welt um die schönsten Hauben mit besonders ausgewählten Federn, und die Wartezeiten sind oft lang.2

Vergoldete Falkenhaube aus der Falknerei Kaiser Maximilians I. bzw. Bianca Sforzas, Oberitalien, 1494–1508. Kunsthistorisches Museum Wien, Hofjagd- und Rüstkammer (Inv. D 48). Foto: Andreas Praefcke, Wikimedia Commons (gemeinfrei).
Die Haube heute
2010 wurde die Falknerei in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Nach einer Erweiterung 2021 umfasst der Eintrag 24 Länder.937 Die UNESCO zählt die traditionellen Ausrüstungsmacher zur Gemeinschaft der Falkner.9 Die Haube ist vielleicht das deutlichste Beispiel für diese lebendige Tradition: Die Technik reicht bis in die Zeit Friedrichs II. zurück, und doch werden Hauben bis heute von Hand gefertigt, Vogel für Vogel.
Heute wird die Haube vor allem beim Transport, in unruhiger Umgebung und bei der Beizjagd "aus der Haube" verwendet. Dabei nimmt der Falkner die Haube ab, und der Falke fliegt direkt vom Handschuh auf die Beute.38 Laut dem Dänischen Falknerclub können Hauben den Vogel auch beim Transport vor Stress schützen, als Alternative zu dunklen Transportboxen.2

Mit der Haube Ivan kann das Gerfalken-Weibchen ruhig sitzen, auch wenn um ihn herum viel los ist.
Die Haube im Adlerreservat
Wenn Sie Eagle World – das Adlerreservat (Ørnereservatet) am Skagensvej 107 besuchen, achten Sie auf die Ausrüstung des Falkners: den Handschuh, das Geschüh an den Beinen des Vogels, das Federspiel und die Haube. Fragen Sie nach der Vorführung gern unsere Falkner, wie eine Haube sitzen muss und warum nicht jeder Vogel eine trägt. Im Adlerreservat werden Hauben hauptsächlich bei Sakerfalken, Gerfalken und Wanderfalken verwendet – nicht immer, nur wenn ein besonderer Bedarf besteht. Das Adlerreservat hat keinen Haubenblock. Die Hauben werden entweder von Falknern gekauft, die im Reservat arbeiten und Hauben machen können, oder bei Fachlieferanten bestellt.
Mehr lesen: Falkner sein – ein Handwerk mit Flügeln, weltweit.
Weiterführende Literatur: James W. Nelson, Hoods, Hooding and Hoodmaking (2016). John Cummins, The Hound and the Hawk (1988). Frank Wenzel, Kongernes jagtfalke (2010, dänisch), über die Bedeutung des Gerfalken für Dänemark: https://issuu.com/eagleworld/docs/kongernes_jagtfalke
Anmerkungen
- The Archives of Falconry (Boise, Idaho): "The American Hood – An Evolution of Craft in the New World", virtuelle Ausstellung (Kuratoren Kent Carnie, John M. Goodell und James W. Nelson). https://falconry.org/virtual_exhibits/falconry_hoods/
- Dansk Falkejagt Klub: Vejledning for falkonerer, rev. 1.1, 2023, bes. S. 16–17 (Abschnitt "Hætter" (Hauben)). https://www.danskfalkejagtklub.dk/onewebmedia/Vejledning%20for%20falkonerer_Rev1.1.2023.pdf
- Encyclopaedia Britannica: Emma Ford u. a., "Falconry". https://www.britannica.com/sports/falconry
- William Shakespeare: Romeo and Juliet 3.2.14–15, Folger Shakespeare Library. https://www.folger.edu/explore/shakespeares-works/romeo-and-juliet/read/3/2/
- Grayson A. Doss und Christoph Mans: "Changes in Physiologic Parameters and Effects of Hooding in Red-tailed Hawks (Buteo jamaicensis) During Manual Restraint", Journal of Avian Medicine and Surgery 30(2), 2016, S. 127–132. https://doi.org/10.1647/2015-096
- Kevin T. Patton, Mary Jo Croonquist und Walter C. Crawford Jr.: "Management-related stress in the red-shouldered hawk", Zoo Biology 4(3), 1985. https://doi.org/10.1002/zoo.1430040304
- The Hawk Board: "Guidelines to demonstration givers". https://www.hawkboard.uk/guidance/guidelines-to-demonstration-givers
- Ithra – King Abdulaziz Center for World Culture, Ithraeyat: "The Art of Falcon Hoods", 30.06.2025. https://ithraeyat.ithra.com/editions/art-of-sports/the-art-of-falcon-hoods
- UNESCO, Intangible Cultural Heritage: "Falconry, a living human heritage" (Nr. 01708). https://ich.unesco.org/en/RL/falconry-a-living-human-heritage-01708
- Hans J. Epstein: "The Origin and Earliest History of Falconry", Isis 34(6), 1943, S. 497–509. https://doi.org/10.1086/347874
- Oliver Grimm: "Raptor on the fist … – a synthesis", i O. Grimm (Hrsg.), Raptor on the Fist (ZBSA, Schleswig 2020). https://zbsa.eu/wp-content/uploads/2020/08/synthese.pdf
- Encyclopaedia Britannica: "Sixth Crusade". https://www.britannica.com/event/Sixth-Crusade
- Friedrich II.: The Art of Falconry, being the De arte venandi cum avibus, übers. und hrsg. Casey A. Wood und F. Marjorie Fyfe (Stanford University Press, 1943), Einleitung und Buch II, Kap. LXXVII–LXXVIII, S. 205–206. https://archive.org/details/McGillLibrary-rbsc_art-falconry_casey-wood_SK321F87-18001
- Biblioteca Apostolica Vaticana: Pal. lat. 1071, digitalisiert. https://digi.vatlib.it/mss/detail/Pal.lat.1071
- Orden Deutscher Falkoniere, LV NRW: "Falknereigeschichte". https://www.odf-nrw.de/uber-uns/falknereigeschichte/
- James Edmund Harting: Bibliotheca Accipitraria (London 1891), Glossar: "Hood". https://archive.org/details/bibliothecaaccip00hartrich
- Maria Vretemark (Västergötlands museum): "The Vendel Period royal follower's grave at Swedish Rickeby as starting point for reflections about falconry in Northern Europe" (PDF). http://texts.archeurope.com/Library/The_Vendel_Period_royal_follower_s_grave.pdf
- Hanns-Hermann Müller: "Falconry in central Europe in the Middle Ages", in: Exploitation des animaux sauvages à travers le temps. XIIIe Rencontres internationales d'archéologie et d'histoire d'Antibes (APDCA, Juan-les-Pins 1993), S. 431–437. https://sciencepress.mnhn.fr/sites/default/files/articles/pdf/az1993hs1a34.pdf
- Vestfold fylkeskommune: "Gokstadhaugens hønsehauker". https://www.vestfoldfylke.no/no/meny/tjenester/kultur/kulturarv/kulturarvartikler/gokstadhaugens-honsehauker/
- National Museum – Palace of the Grand Dukes of Lithuania: "Falcon hood", 14. Jahrhundert. https://www.valdovurumai.lt/en/virtual-exhibition/i/10121/falcon-hood/
- Zinoviev: "Leather straps with avian tarsometatarsi from the medieval Russia: Jesses or amulets?", Environmental Archaeology, 2016. https://doi.org/10.1080/14614103.2016.1169350
- Victoria and Albert Museum: "Falcon's hood", England, Anfang 17. Jh., T.244-1960. https://collections.vam.ac.uk/item/O318742/falcons-hood-unknown/
- The Metropolitan Museum of Art: "Hood for Falcon", 17. Jh., 29.150.153. https://www.metmuseum.org/art/collection/search/34337
- William Shakespeare: Henry V 3.7, Folger Shakespeare Library. https://www.folger.edu/explore/shakespeares-works/henry-v/read/3/7/
- Valkerij en Sigarenmakerij Museum Valkenswaard: "Valkerijmuseum". https://vsmm.nl/valkerijmuseum/
- Falconry Heritage Trust: "The Falconers of Valkenswaard" (PDF nach einer Veröffentlichung des Cultuur Historisch Museum Valkenswaard). https://www.falconryheritage.org/uploads/itemUploads/2071/Valkenswaard.pdf
- Lecturis: Karel Mollen – de laatste valkenier (Verlagsbeschreibung). https://lecturis.nl/en/product/karel-mollen/
- National Museum of Qatar: "Falcon hood, burga", Arabien, 19. Jh., QNM.2011.234.1. https://explorer.nmoq.org.qa/
- Ḥusām al-Dawlah Taimūr Mīrzā: The Bāz-nāma-yi Nāṣirī, a Persian Treatise on Falconry, übers. D. C. Phillott (London 1908), Anm. 403, 432 und 434. https://www.gutenberg.org/ebooks/74303
- Saudi Aramco World: "The Eagle Hunters", Jan./Feb. 2005. https://archive.aramcoworld.com/issue/200501/the.eagle.hunters.htm
- e-museum.kz: "Tomaga", Mukhamedzhan Tynyshbayuly Historical and Local Lore Museum, Zhetysu-Region. https://e-museum.kz/en/exhibit/68da7f76332283f61-en/
- National Geographic: "Kazakh Eagle Hunter, Western Mongolia", 19.05.2009. https://www.nationalgeographic.com/photo-of-the-day/photo/kazakh-eagle-hunter-pod
- H. J. Slijper: Artikel über anglo-indische Hauben, Falconry News and Notes 2(2), 1959, PDF bei The Archives of Falconry. https://falconry.org/resources/downloads/Slijper-1959.pdf
- Hooded Talons (britischer Haubenmacher): "Falconry Hood Sizing". https://hoodedtalons.co.uk/falconry-hood-sizing/
- The Modern Apprentice: "Hoods" (amerikanischer Ratgeber für Falkner). https://www.themodernapprentice.com/hoods.htm
- Edmund Bert: An Approved Treatise of Hawkes and Hawking (London 1619), S. 15 und 43–44, Nachdruck durch J. E. Harting (London 1891). https://archive.org/details/bertstreatiseofh00bert
- UNESCO ICH: "Find out the newly inscribed elements on the 2003 Convention Lists" (2021). https://ich.unesco.org/en/news/find-out-the-newly-inscribed-elements-on-the-2003-convention-lists-13359