Eier – das kleine Meisterwerk des Lebens
Ein Ei sieht schlicht aus. Doch hinter der Schale verbirgt sich ein ganzes kleines Lebenserhaltungssystem: Nahrung, Wasser, Luft und Schutz, so klug verpackt, dass sich der Embryo wochenlang entwickeln kann, ohne etwas von außen zu bekommen – nur Wärme. Bei uns im Ørnereservatet gehören Eier seit sehr vielen Jahren zum Alltag, und wir freuen uns noch immer und sind gespannt, jedes Mal, wenn ein Ei schlüpft.
In diesem Artikel betrachten wir Eier von mehreren Seiten: unsere eigenen Greifvögel, die großen Dinosaurier, neue Forschung aus aller Welt – und warum ein Adlerei nicht wie ein Eulenei aussieht.
Eine Gerfalkenmutter füttert ihre Küken – daneben liegt ein Ei, das noch nicht geschlüpft ist. Foto: Frank Wenzel
Unsere eigenen Eier
Die Zucht von Greifvögeln begleitet diesen Ort von Anfang an. Schon in den 1950er-Jahren widmete sich Frank Wenzel der Zucht, und in den 1970er-Jahren waren es vor allem Wanderfalken – später Gerfalken, Steinadler und Seeadler, alle hier bei uns gezüchtet. Das Ørnereservatet wurde 1976 ins Leben gerufen und erhielt 1980 offiziell seinen Namen, und das Ziel war und ist dasselbe: Wissen über Greifvögel zu vermitteln.
Vor jeder Brutsaison bereiten wir die Horste der Adler mit frischen Kiefern- und Fichtenzweigen und etwas Stroh am Boden vor. Auch Vögel, die nicht brüten, bekommen einen einladenden Horst – denn der Horst ist das Schlafzimmer und der sichere Rückzugsort des Adlers.
Freja – ein Seeadler aus unserer eigenen Zucht, geschlüpft am 18.05.2001 – hier als frisch geschlüpftes Küken im Horst mit ihrer Mutter, 22.05.2001. Foto: Frank Wenzel
Die Eier der Greifvögel
Greifvögel legen weniger Eier als viele andere Vögel, und die großen Arten legen am wenigsten. Der Steinadler legt 1–3 Eier, der Seeadler meist 1–3 (am häufigsten 2) und der Kondor nur ein einziges Ei – und brütet in der Regel höchstens jedes zweite Jahr. Falken legen mehr: Wanderfalke, Gerfalke und Würgfalke typischerweise 3–5 Eier.
Viele Greifvögel beginnen schon mit dem Brüten, wenn das erste Ei gelegt ist. Deshalb schlüpfen die Küken im Abstand einiger Tage, und das älteste ist oft das größte. Beim Bartgeier überlebt nur ein Küken: Die Eier werden im Abstand von 5–7 Tagen gelegt, und das ältere Küken lässt das jüngere nicht überleben.
Wie lange brüten sie?
Die Brutdauer ist die Zeit vom Beginn des Brütens bis zum Schlupf des Kükens. Die Zahlen hier sind die Spannen, die die Quellen angeben – ein einzelner Vogel kann etwas abweichen.
| Art | Brutdauer | Anzahl Eier | Typischer Neststandort |
| Seeadler | ca. 34–46 Tage (meist ca. 38) | 1–3 (meist 2) | Große Reisighorste in Bäumen oder an Felsen; in Norwegen und auf Island auch am Boden |
| Steinadler | 41–45 Tage | 1–3 | Felsbänder, auch Bäume |
| Riesenseeadler | ca. 38–45 Tage | 1–3 (meist 2) | Wipfel großer Bäume nahe Küsten und Flüssen; Felsen |
| Gerfalke | ca. 34–36 Tage | 3–5 | Felsbänder, gern in alten Kolkrabennestern |
| Würgfalke | ca. 30 Tage | 3–5 | Alte Nester anderer Vögel in Bäumen, an Felsen, auf Masten |
| Wanderfalke | ca. 29–34 Tage | 2–5 | Mulde im Kies auf Felsbändern – und hohe Gebäude |
| Andenkondor | 54–58 Tage | 1 | Nacktes Felsband oder flache Höhle – kein Nest |
| Bartgeier | ca. 55–60 Tage | 1–2 (selten 3) | Felshöhlen und -bänder im Hochgebirge |
| Uhu | – | 1–4 | Felsbänder, Spalten und Höhleneingänge; alte Nester anderer großer Vögel; manchmal am Boden |
| Schneeeule | 31–33 Tage | 3–11 | Kleine Mulde auf einer trockenen Erhebung in der Tundra |
| Schleiereule | ca. 29–34 Tage | 2–9 | Dunkle Hohlräume in Bäumen, Scheunen und Nistkästen |
Fakten: Eier der Greifvögel
- Der Seeadler brütet ca. 34–46 Tage, meist ca. 38. Beide Eltern brüten, aber das Weibchen übernimmt mindestens 70 % (Raptor Research and Monitoring 2014).
- Der Kondor legt nur ein Ei, direkt auf den Fels ohne Nest, und bebrütet es fast zwei Monate lang (The Peregrine Fund).
- Der Gerfalke legt 3–5 Eier auf ein Felsband oder in ein altes Kolkrabennest (The Peregrine Fund).
- Die Schleiereule baut kein Nest; die Eier liegen auf alten Gewöllen (The Barn Owl Trust).
Die Eltern auf dem Nest
Bei den meisten Greifvögeln brütet überwiegend das Weibchen, während das Männchen jagt und Futter bringt. Beim Wanderfalken hilft das Männchen mit, doch den größten Teil des Brütens übernimmt das Weibchen. Bei der Schneeeule brütet das Weibchen allein, und das Männchen bringt Nahrung. Beim Seeadler, beim Kondor und beim Bartgeier wechseln sich beide Eltern ab.
Falken bauen keine eigenen Nester. Sie scharren eine kleine Mulde auf einem Felsband oder übernehmen ein altes Nest, zum Beispiel von Kolkraben. Adler dagegen bauen große Horste aus Ästen, die sie Jahr für Jahr nutzen und weiter aufstocken. Der Steinadler polstert seinen Horst oft mit Grünem aus – manchmal mit aromatischen Blättern, vielleicht um Insekten fernzuhalten. Die Schleiereule baut überhaupt kein Nest, sondern legt ihre Eier auf eine Schicht alter Gewölle.
Gerfalkenküken in einem Nest unter einem Felsüberhang auf Island. Foto: Frank Wenzel
Ein Steinadlerhorst in einem Baum. Foto: Frank Wenzel
Die Eier der Dinosaurier
Vögel sind die lebenden Nachfahren der Dinosaurier – und die Eier sind eines der deutlichsten Bindeglieder. Fossilien aus der Mongolei zeigen einen Oviraptor-ähnlichen Dinosaurier, der genau wie ein brütender Vogel auf seinen Eiern liegt (Norell u. a., Nature 1995). Ein fossiler Embryo mit dem Namen „Baby Yingliang“ liegt zusammengerollt im Ei, in einer Haltung, die an ein Vogelküken kurz vor dem Schlupf erinnert (Xing u. a., iScience 2022).
Forschung aus dem Jahr 2020 deutet darauf hin, dass die allerersten Dinosauriereier weich und lederartig waren wie viele Schildkröteneier und dass die harte Kalkschale erst später entstand – mehrmals (Norell u. a., Nature 2020). Im selben Jahr wurde ein großes, weichschaliges fossiles Ei aus der Antarktis beschrieben (Legendre u. a., Nature 2020). Und farbige, gesprenkelte Eier – wie wir sie von vielen Vögeln kennen – gab es bereits bei Dinosauriern (Wiemann u. a., Nature 2018).
Fossile Dinosauriereier (Troodontide), China. Foto: Gary Todd / Wikimedia Commons, CC0
Fakten: Dinosauriereier
- 1995: Ein in der Mongolei gefundener Oviraptoride liegt wie ein brütender Vogel auf seinen Eiern (Norell u. a., Nature).
- Ein Troodon-Weibchen legte wahrscheinlich nur 4–6 Eier; Nester mit bis zu 24 Eiern waren vermutlich Gemeinschaftsnester (PNAS 2023).
- Die ältesten bekannten lederartigen Dinosauriereier stammen aus dem frühen Jura, China (National Science Review 2023).
- Das erste direkt datierte Dinosaurierei ist ca. 85,9 Mio. Jahre alt und stammt aus einem Gelege von 28 Eiern (Nature News 2025).
Die Entwicklung des Eies – vom Wasser an Land
Die ersten Eier wurden im Wasser gelegt. Fische und Amphibien legen noch heute Eier ohne Schale, und ohne Schale und besondere Häute trocknen sie an Land aus. Deshalb sind Amphibieneier an Wasser oder feuchte Orte gebunden (OpenStax Biology; Cleveland Museum of Natural History).
Im Karbon, vor ca. 359–299 Millionen Jahren, entstanden die Amnioten – die Vorfahren der heutigen Reptilien, Vögel und Säugetiere (UCMP, University of California Berkeley). Ihre große Neuerung war das Amnioten-Ei. Im Ei bilden sich vier Häute: Amnion, Chorion, Dottersack und Allantois. Das Amnion umhüllt den Embryo mit Flüssigkeit, sodass er seinen eigenen kleinen „Teich“ mit sich trägt. Dadurch wurden die Tiere viel unabhängiger vom Wasser und konnten sich in trockenere Gebiete ausbreiten (OpenStax Biology).
Hühnerei nach etwa fünf Tagen Bebrütung, im Schnitt (Lehrbuchdiagramm). Die Beschriftungen auf Deutsch: embryo = Embryo; amnion und amniotic cavity = Amnion und Amnionhöhle, der flüssigkeitsgefüllte „Teich“ des Embryos, der vor Stößen und Austrocknung schützt; yolk-sac = Dottersack, der Nährstoffe vom Dotter zum Embryo leitet; allantois und allantoic cavity = Allantois, die Abfallstoffe sammelt und bei der Atmung hilft; serosa = Chorion/Serosa, die Haut zur Schale hin, wo Sauerstoff und Kohlendioxid ausgetauscht werden; albumen = Eiklar mit Wasser und Eiweiß; vitelline membrane = Dotterhaut; extra-embryonic coelom und sero-amniotic cavity = Hohlräume zwischen den Häuten; somatopleure/splanchnopleure = die Gewebeschichten, aus denen die Häute entstehen. Funktion der Häute: OpenStax Biology 2e. Diagramm: H.V. Neal und H.W. Rand / Wikimedia Commons, Public Domain
Die Schale ist ein Kompromiss: Sie soll das Wasser halten und den Embryo schützen, aber zugleich porös genug sein, damit Sauerstoff hinein- und Kohlendioxid hinausgelangt. Die Schale der Vögel ist durch Kalk (Calciumcarbonat) gehärtet – steif, aber zerbrechlich. Bei den meisten anderen Reptilien, etwa Schildkröten, ist die Schale weich und lederartig, und die Eier müssen feucht liegen (OpenStax Biology). Die Schale des Schildkröteneies besteht außerdem aus Aragonit, einer anderen Kristallform des Kalks als bei Vogeleiern (UCMP).
Drei Stufen in der Geschichte des Eies. Links: Froschlaich ohne Schale – er muss im Wasser liegen. Mitte: Meeresschildkröteneier mit weicher, lederartiger Schale, im feuchten Sand vergraben. Rechts: Hühnereier mit harter Kalkschale (OpenStax Biology 2e). Fotos: Thomas Brown (CC BY 2.0); Jennifer Strickland, USFWS (Public Domain); Gmoose1 (Public Domain) – alle über Wikimedia Commons
Auch die Eier der Dinosaurier haben sich entwickelt. 2023 beschrieben chinesische Forschende die bislang ältesten bekannten lederartigen Dinosauriereier aus dem frühen Jura – ein Hinweis darauf, dass die ersten Dinosauriereier weich waren (Han u. a., National Science Review 2023). Die harte Kalkschale kam später, und farbige Eier gab es bereits bei Dinosauriern (Wiemann u. a., Nature 2018). Die Vögel haben sowohl die harte Schale als auch die Farbpigmente geerbt.
Gelege mit 16 Eiern und ein Embryo des Dinosauriers Qianlong shouhu aus dem frühen Jura, Guizhou, China. Es sind die ältesten bekannten lederartigen Eier; der Fund deutet darauf hin, dass die ersten Dinosauriereier weich waren (Han u. a., National Science Review 2023). Foto: F. Han u. a. / Wikimedia Commons, CC BY 4.0
Und die Säugetiere? Die frühen Säugetiere legten Eier, und die Kloakentiere – das Schnabeltier und die Ameisenigel – tun es noch heute (UCMP). Bei Beuteltieren und Plazentatieren ist die Schale verschwunden: Der Embryo wächst in der Mutter heran, und die Plazenta wird aus zwei der alten Eihäute gebildet, Chorion und Allantois (OpenStax Biology).
Eier von Schnabeltier (A) und Ameisenigel (B) in früher Entwicklung – Zeichnung nach Flynn und Hill (1939). Die Kloakentiere sind die einzigen heute lebenden Säugetiere, die noch Eier legen (OpenStax Biology 2e; UCMP Berkeley). Zeichnung: Olin E. Nelsen / Wikimedia Commons, Public Domain
Vereinfachte Zeitleiste der Geschichte des Eies – für diesen Artikel nach den unten genannten Quellen gezeichnet. Die Zeitachse ist nicht maßstabsgetreu.
Fakten: die Geschichte des Eies in Jahreszahlen
- Karbon, vor ca. 359–299 Mio. Jahren: Das Amnioten-Ei entsteht (UCMP Berkeley).
- Das Amnioten-Ei hat vier Häute: Amnion, Chorion, Dottersack und Allantois (OpenStax Biology 2e).
- Später Jura, vor ca. 150 Mio. Jahren: farbige Dinosauriereier (Audubon; Wiemann u. a. 2018).
- Heute legen unter den Säugetieren nur die Kloakentiere – Schnabeltier und Ameisenigel – Eier (UCMP).
Neue Entdeckungen und Forschung
Kondoreier ohne Vater (28. Oktober 2021). Genetische Analysen im Zuchtprogramm der San Diego Zoo Wildlife Alliance zeigten, dass zwei Kalifornische Kondorküken aus unbefruchteten Eiern geschlüpft waren – sogenannte Jungfernzeugung (Parthenogenese). Die Weibchen lebten mit fruchtbaren Männchen zusammen. Es ist das erste Mal, dass Jungfernzeugung bei Vögeln mit molekularen Methoden bestätigt wurde (Ryder u. a., Journal of Heredity 2021).
Warme Eier bei Troodon (März 2023). Forschende der Goethe-Universität Frankfurt maßen Isotope in fossilen Eierschalen des Dinosauriers Troodon. Die Schalen bildeten sich bei ca. 42 °C und ca. 29–30 °C – Troodon konnte also seine Körpertemperatur regulieren, verkalkte die Schale aber langsam wie ein Reptil. Jedes Weibchen legte wahrscheinlich nur 4–6 Eier; die großen Nester mit bis zu 24 Eiern waren daher vermutlich Gemeinschaftsnester (Tagliavento u. a., PNAS 2023).
Die ältesten weichen Dinosauriereier (Oktober–November 2023). In Guizhou in China fanden Forschende fünf Gelege mit Embryonen des langhalsigen Dinosauriers Qianlong shouhu aus dem frühen Jura. Die Eier sind die ältesten bekannten lederartigen Eier und deuten darauf hin, dass die ersten Dinosauriereier weich waren (Han u. a., National Science Review 2023; Chinesische Akademie der Wissenschaften 13.11.2023).
Ein Dinosaurierei direkt datiert (September 2025). Zum ersten Mal wurde ein Dinosaurierei direkt datiert – mit Uran-Blei-Datierung der Schale selbst. Das Ei stammt aus einem Gelege von 28 Eiern in Shiyan, China, und ist ca. 85,9 Millionen Jahre alt. Einige Paläontologen meinen, dass die Methode noch weiter überprüft werden muss (Nature News 11.09.2025; Frontiers in Earth Science 2025).
Eier-Galerie – groß, klein, rund und spitz
Eier gibt es in allen Größen, Farben und Formen. Hier eine Auswahl – und die Erklärung, warum sie so aussehen, wie sie aussehen.
Kiwi (Okarito-Kiwi). Der Kiwi legt ein riesiges Ei im Verhältnis zu seiner Größe – ca. 15 % des Körpergewichts des Weibchens, beim Strauß nur ca. 2 %. Über 60 % des Eies sind Dotter, sodass das Küken voll entwickelt schlüpft (Smithsonian’s National Zoo). Foto: Te Papa, CC BY 4.0
Ei des ausgestorbenen Elefantenvogels aus Madagaskar, Muséum national d’Histoire naturelle, Paris. Mit rund 9 kg ist es das größte bekannte Vogelei (Stoddard, Current Biology 2022). Foto: Vassil, CC0
Kolibrinest mit Eiern, Yucatán, Mexiko. Kolibrieier wiegen etwa ein halbes Gramm – sie gehören zu den kleinsten Vogeleiern (Stoddard, Current Biology 2022). Foto: Katja Schulz, CC BY 2.0
Ei einer Trottellumme, Natural History Museum, London. Das spitze, birnenförmige Ei liegt stabiler auf den schrägen Felsbändern, auf denen Lummen dicht an dicht brüten – das zeigten Versuche mit Eiern auf Schrägen (Birkhead u. a., The Auk 2018). Foto: Natural History Museum, London, CC0
Eier der Wanderdrossel (amerikanischer „Robin“). Die blaue Farbe stammt vom Pigment Biliverdin (Audubon). Blaue Eier sind nicht gut getarnt, und warum sie blau sind, wird noch diskutiert; eine Hypothese ist, dass die Farbe die Gesundheit des Weibchens anzeigt, doch sie wird nur teilweise gestützt (Stoddard, Current Biology 2022). Foto: ImagePerson, CC BY 4.0
Hühnereier: blaugrün (Araucana), braun und weiß. Alle Eierfarben entstehen aus nur zwei Pigmenten – rotbraunem Protoporphyrin und blaugrünem Biliverdin – auf der weißen Kalkschale (Audubon). Foto: Gmoose1, Public Domain
Eier des Würgfalken, handkolorierte Tafel von 1864. Die rotbraune Farbe stammt von Protoporphyrin; Forschende haben die braunen Eier des Wanderfalken als Beispiel für fast reines Protoporphyrin herangezogen (Audubon). Illustration: W.C. Hewitson, Public Domain
Eier des Rotflügeltinamus, Illustration. Steißhühner brüten am Boden und legen dennoch glänzende, kräftig gefärbte Eier. Beim Großtinamu deutet die Forschung darauf hin, dass die Farbe ein Signal an andere Weibchen ist, die in dasselbe Nest legen (Cornell Lab of Ornithology). Illustration: John Jennens, Public Domain
Eier des Maskenkiebitzes in einem Bodennest. Vögel, die offen am Boden brüten, legen oft gesprenkelte Eier, die mit dem Untergrund verschmelzen und Fressfeinde täuschen (Cornell Lab of Ornithology; Stoddard, Current Biology 2022). Foto: Prankphonecall, Public Domain
Gerfalkenmutter mit Küken und einem nicht geschlüpften Ei. Falkeneier sind rotbraun und gesprenkelt – die Farbe stammt von Protoporphyrin (Audubon). Foto: Frank Wenzel
Eier des Nilkrokodils. Krokodile legen Amnioten-Eier an Land; die Schale hält das Wasser, lässt aber Sauerstoff und Kohlendioxid durch (OpenStax Biology 2e). Foto: Kevin Walsh, CC BY 2.0
Meeresschildkröteneier, aus dem Sand freigelegt. Die meisten Schildkröteneier haben eine weiche, lederartige Schale und müssen feucht liegen (OpenStax Biology 2e); die Schale besteht aus Aragonit (UCMP Berkeley). Foto: Jennifer Strickland, USFWS, Public Domain
Grasfrosch mit Froschlaich in einem Gartenteich, London. Amphibieneier haben keine Schale und sind daher an Wasser oder feuchte Orte gebunden (OpenStax Biology 2e). Foto: Thomas Brown, CC BY 2.0
Forelleneier in einer Brutanlage in Wyoming, im sogenannten „Augenpunktstadium“, in dem die Augen der Embryonen durch die weiche, durchsichtige Schale zu sehen sind. Fischeier haben keine harte Schale und entwickeln sich im Wasser. Foto: Liz Sunshine, USFWS, Public Domain
Eier von Schnabeltier und Ameisenigel (Zeichnung). Die Kloakentiere sind die einzigen heute lebenden Säugetiere, die Eier legen (UCMP Berkeley). Zeichnung: Olin E. Nelsen, Public Domain
Fossile Troodontiden-Eier, China. Beim verwandten Troodon zeigen die Schalen, dass die Eier langsam verkalkt wurden wie bei Reptilien und dass jedes Weibchen wohl nur 4–6 Eier legte (Tagliavento u. a., PNAS 2023). Foto: Gary Todd, CC0
Fossil eines Oviraptoriden (Citipati, IGM 100/979), der wie ein brütender Vogel auf seinen Eiern liegt (Norell u. a., Nature 1995). Foto: Ghedoghedo, Public Domain
Lederartige Eier von Qianlong shouhu, früher Jura – die ältesten bekannten weichen Dinosauriereier (Han u. a., National Science Review 2023). Foto: F. Han u. a., CC BY 4.0
Fakten: Eier-Rekorde
- Größtes Vogelei aller Zeiten: das des Elefantenvogels, ca. 9 kg (Stoddard, Current Biology 2022).
- Größtes Ei eines heute lebenden Vogels: das des Straußes (Stoddard, Current Biology 2022).
- Unter den kleinsten: das des Kolibris, ca. 0,5 g (Stoddard, Current Biology 2022).
- Das Ei des Kiwis wiegt ca. 15 % des Weibchens, das des Straußes nur ca. 2 % (Smithsonian’s National Zoo).
- Längste Brutdauer in unserer Tabelle: Bartgeier (ca. 55–60 Tage) und Andenkondor (54–58 Tage).
Warum haben Eier unterschiedliche Formen?
Manche Eier sind fast so rund wie ein Tischtennisball, andere länglich oder spitz. 2017 vermaß ein internationales Team unter der Leitung von Mary Caswell Stoddard (Princeton und Harvard) rund 50.000 Eier von ca. 1.400 Vogelarten. Das Ergebnis in der Fachzeitschrift Science: Vögel, die starke Flieger sind, legen oft längere und asymmetrischere Eier. Die Erklärung der Forschenden: Ein guter Flieger braucht einen schlanken, stromlinienförmigen Körper. Das begrenzt, wie breit das Ei sein kann – und so wird das Ei stattdessen länger, um genug Platz zu bieten.
Die Farbe hängt oft vom Neststandort ab. Vögel, die in Höhlen brüten – etwa Eulen und Spechte –, legen typischerweise weiße Eier, während Vögel, die offener und besonders am Boden brüten, oft braune, gesprenkelte Eier legen, die schwer zu entdecken sind (Cornell Lab of Ornithology; Current Biology 2022). Alle die vielen Farben entstehen aus nur zwei Pigmenten: rotbraunem Protoporphyrin und blaugrünem Biliverdin (Audubon).
Wer legt Eier?
Eier sind längst nicht nur Sache der Vögel. Alle Vögel legen Eier. Das tun auch fast alle Reptilien – Schildkröten, Krokodile und die meisten Schlangen und Echsen. Bei Fischen und Amphibien sind die Eier meist schalenlos und werden im Wasser abgelegt, oft zu Tausenden. Insekten legen Eier in allen denkbaren Formen. Und dann gibt es die Säugetiere, die Eier legen: das Schnabeltier und die Ameisenigel (die Kloakentiere) in Australien und auf Neuguinea.
Erleben Sie die Greifvögel
Wenn Sie unsere Adler und Falken bei der Flugvorführung sehen, sehen Sie Vögel, deren Vorfahren schon zur Zeit der Dinosaurier Eier legten. Das finden wir ziemlich fantastisch. Herzlich willkommen im Ørnereservatet.
Quellen
- Stoddard, M.C. u. a. (2017): Avian egg shape: Form, function, and evolution. Science 356: 1249–1254. https://doi.org/10.1126/science.aaj1945
- Norell, M.A. u. a. (1995): A nesting dinosaur. Nature 378: 774–776. https://doi.org/10.1038/378774a0
- Norell, M.A. u. a. (2020): The first dinosaur egg was soft. Nature 583: 406–410. https://doi.org/10.1038/s41586-020-2412-8
- Legendre, L.J. u. a. (2020): A giant soft-shelled egg from the Late Cretaceous of Antarctica. Nature 583: 411–414. https://doi.org/10.1038/s41586-020-2377-7
- Wiemann, J. u. a. (2018): Dinosaur egg colour had a single evolutionary origin. Nature 563: 555–558. https://doi.org/10.1038/s41586-018-0646-5
- Xing, L. u. a. (2022): An exquisitely preserved in-ovo theropod dinosaur embryo… iScience 25: 103516. https://doi.org/10.1016/j.isci.2021.103516
- Raptor Research and Monitoring (2014): White-tailed Eagle – Brutdauer und Gelegegröße: https://www.raptormonitoring.org/wp-content/uploads/2015/05/Raptors-2014-White-tailed-Eagle.pdf
- The Peregrine Fund – White-tailed Sea-Eagle: https://peregrinefund.org/explore-raptors-species/eagles/white-tailed-sea-eagle
- Cornell Lab of Ornithology, All About Birds – Golden Eagle: https://www.allaboutbirds.org/guide/Golden_Eagle/lifehistory
- Cornell Lab of Ornithology, All About Birds – Gyrfalcon / Peregrine / Snowy Owl: https://www.allaboutbirds.org/guide/Gyrfalcon/lifehistory
- The Peregrine Fund – Peregrine Falcon, Gyrfalcon, Saker Falcon: https://peregrinefund.org/explore-raptors-species/falcons/saker-falcon
- Animal Diversity Web (University of Michigan) – Steller's sea eagle: https://animaldiversity.org/accounts/Haliaeetus_pelagicus/
- San Diego Zoo Wildlife Alliance – Steller's sea-eagle: https://animals.sandiegozoo.org/animals/stellers-sea-eagle
- Cleveland Metroparks Zoo – Andean Condor: https://resourcelibrary.clevelandmetroparks.com/animals/164
- The Peregrine Fund – Gyrfalcon: https://peregrinefund.org/explore-raptors-species/falcons/gyrfalcon
- The Peregrine Fund – Andean Condor: https://peregrinefund.org/explore-raptors-species/vultures/andean-condor
- The Peregrine Fund – Bearded Vulture: https://peregrinefund.org/explore-raptors-species/vultures/bearded-vulture
- Animal Diversity Web (University of Michigan) – Eurasian eagle-owl: https://animaldiversity.org/accounts/Bubo_bubo/
- The Peregrine Fund – Eurasian Eagle-Owl: https://peregrinefund.org/explore-raptors-species/owls/eurasian-eagle-owl
- Audubon Field Guide – Snowy Owl: https://www.audubon.org/field-guide/bird/snowy-owl
- The Barn Owl Trust – Barn Owl nesting: https://www.barnowltrust.org.uk/barn-owl-facts/barn-owl-nesting/
Die Entwicklung des Eies:
- UCMP, University of California Berkeley – Introduction to eggshells: https://ucmp.berkeley.edu/science/eggshell/eggshell1.php
- UCMP, University of California Berkeley – Amniota: https://ucmp.berkeley.edu/vertebrates/tetrapods/amniota.html
- OpenStax Biology 2e, 29.4 Reptiles (das Amnioten-Ei): https://openstax.org/books/biology-2e/pages/29-4-reptiles
- Cleveland Museum of Natural History – The amniotic egg: https://www.cmnh.org/exhibits/g3-4-262
- Animal Diversity Web – Platypus (Ornithorhynchus anatinus): https://animaldiversity.org/accounts/Ornithorhynchus_anatinus/
Neue Entdeckungen und Forschung:
- San Diego Zoo Wildlife Alliance (28.10.2021): Pressemitteilung zur Jungfernzeugung beim Kalifornischen Kondor: https://sandiegozoowildlifealliance.org/pr/CondorParthenogenesis
- Ryder, O.A. u. a. (2021): Facultative parthenogenesis in California condors. Journal of Heredity 112(7): 569–574. https://doi.org/10.1093/jhered/esab052
- Tagliavento, M. u. a. (2023): Evidence for heterothermic endothermy and reptile-like eggshell mineralization in Troodon, a non-avian maniraptoran theropod. PNAS 120. https://doi.org/10.1073/pnas.2213987120 · https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10104568/
- Han, F. u. a. (2023, online 9.10.2023): Exceptional Early Jurassic fossils with leathery eggs shed light on dinosaur reproductive biology. National Science Review 11. https://doi.org/10.1093/nsr/nwad258 · Volltext: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11067957/
- Chinese Academy of Sciences (13.11.2023): https://english.cas.cn/newsroom/news--archives/2023/research-news/202311/t20231113_1128605.shtml
- Nature News (11.09.2025): Dinosaur egg dated directly for the first time: https://www.nature.com/articles/d41586-025-02904-0
- Frontiers in Earth Science 13: 1638838 (2025): https://www.frontiersin.org/journals/earth-science/articles/10.3389/feart.2025.1638838/full
Farben, Formen und Größen der Eier (Galerie):
- Stoddard, M.C. (2022): Bird eggs. Current Biology 32: R1126–R1132. https://doi.org/10.1016/j.cub.2022.07.052
- Audubon – Cracking the Code on Egg Coloration: https://www.audubon.org/news/cracking-code-egg-coloration
- Cornell Lab of Ornithology, Living Bird – The Beauty and Biology of Egg Color: https://www.allaboutbirds.org/news/the-beauty-and-biology-of-egg-color/
- Smithsonian's National Zoo – North Island brown kiwi: https://nationalzoo.si.edu/animals/north-island-brown-kiwi
- Birkhead, T.R. u. a. (2018): The pyriform egg of the Common Murre is more stable on sloping surfaces. The Auk 135: 1020–1032. https://bioone.org/journals/the-auk/volume-135/issue-4/AUK-18-38.1/The-pyriform-egg-of-the-Common-Murre-Uria-aalge-is/10.1642/AUK-18-38.1.full