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Die Voliere – so soll ein Falke oder Adler wohnen

Die erste Frage, die die meisten stellen, wenn sie davon träumen, Falkner zu werden, lautet: Welchen Vogel soll ich mir anschaffen? Sie sollte lauten: Wo soll er wohnen? Die Voliere ist das ganze Jahr über das Zuhause des Vogels – auch wenn er nicht fliegt. Mit Fotos aus dem Ørnereservatet und Zeichnungen zeigen wir hier, wie eine gute Voliere aufgebaut ist und warum.

 

Fangen Sie bei sich selbst an

Bevor auch nur ein Pfosten in die Erde kommt, sollten Sie sich ein paar ehrliche Fragen stellen:

  • Habe ich die Zeit? Es kostet sehr viel Zeit. Der Vogel braucht Zeit und fordert Zeit – jeden einzelnen Tag, das ganze Jahr, auch im Urlaub und wenn es regnet.
  • Will ich ihm gute Bedingungen bieten? Eine Voliere ist kein Käfig. Sie muss Schutz, Sonne, ein Bad, Ruhe und Sicherheit bieten.
  • Kann ich es mir leisten? Eine Voliere, die von einem Maurer und einem Zimmermann ordentlich gebaut wird, kostet für einen Falken leicht 50.000 dänische Kronen. Hinzu kommt eine sehr durchdachte Einrichtung. Hinzu kommen Überwachungskameras. Man braucht mindestens eine Kamera pro Voliere, und sie kosten mindestens 1.000 Kronen pro Kamera und mehr, je nachdem, wie professionell die Ausrüstung sein soll.
  • Habe ich den Platz und die Genehmigungen? In Dänemark dürfen Greifvögel nur mit staatlicher Genehmigung gehalten werden, und die Jagd mit Greifvögeln erfordert einen besonderen Vermerk im Jagdschein.
  • Wer versorgt den Vogel, wenn ich es nicht kann?

Wenn Sie alles mit Ja beantworten können, lesen Sie weiter.

Ein Vogel oder ein Paar?

Eine Zuchtvoliere und eine Voliere für einen einzelnen Vogel unterscheiden sich in Größe, Einrichtung und Überwachung.

Ein brütendes Paar darf nicht gestört werden. Deshalb werden die Paare überwacht, damit man bemerkt, wenn ein fremdes Tier an die Voliere heran- oder über sie kriecht. Dann muss der Falkner unter Umständen die Aufzucht übernehmen (Eagle World Magasin Nr. 01, 2022, S. 37).

Vergleich von Einzelvoliere und Zuchtvoliere: Größe, Einrichtung und Überwachung

Einzelvoliere und Zuchtvoliere. Grafik: Ørnereservatet

Was sagen die Regeln?

In Dänemark dürfen Greifvögel nur mit Genehmigung der dänischen Behörde für Grüne Flächenumwandlung und Gewässerumwelt (Styrelsen for Grøn Arealomlægning og Vandmiljø) in Gefangenschaft gehalten werden. So steht es in der Verordnung über die Haltung von Vögeln in Gefangenschaft. Wer mit dem Vogel jagen will, braucht außerdem einen Vermerk für die Jagd mit Greifvögeln im Jagdschein und eine legale Greifvogelhaltung.

Für die Voliere selbst schreibt das Gesetz keine festen Maße vor. Nach unserer Auffassung sind dies die Mindestmaße (Länge × Breite × Höhe):

  • Kleiner Falke: 3 × 2 × 2,5 m
  • Großer Falke: 5 × 3 × 3 m
  • Adler: 8 × 5 × 3 m

Nach unserer Auffassung sind 3 × 2 × 2,5 m das Mindestmaß für einen kleinen Falken. Unsere eigenen Volieren sind in der Regel 2–3-mal größer. Die größeren Volieren kosten leicht das Doppelte. Und die Größe ist nicht alles – es sind die Details, die entscheiden, ob der Vogel sich wohlfühlt und sein Gefieder intakt bleibt.

Zeichnung im gleichen Maßstab: Mindestmaß für einen kleinen Falken neben unseren Volieren, meist 2–3-mal größer, mit einer Person als Größenvergleich

Mindestmaß für einen kleinen Falken – und so machen wir es. Grafik: Ørnereservatet

Die Falkenvoliere – Schritt für Schritt

Die Zeichnung zeigt eine Voliere für einen großen Falken von der Seite. Jede Nummer hat ihren Grund:

Querschnitt einer Falkenvoliere mit Dach, Sitzplätzen, Bad, Futterklappe und Schleuse

Die Falkenvoliere von der Seite. Grafik: Ørnereservatet

  1. Das Dach sollte teils gegen schlechtes Wetter geschlossen und teils offen sein, damit Sonne und Regen hereinkommen. Das Netz sollte doppelt und/oder feinmaschig sein, damit Marder, Mink und wilde Greifvögel nicht an den Vogel herankommen.
  2. Mindestens ein Drittel überdacht und dort mindestens ein Sitzplatz, damit der Vogel immer Schatten und Schutz findet.
  3. Mehrere Sitzplätze in verschiedenen Höhen. Eine Stange reicht nicht. Der Vogel muss wählen können, damit er sich sicher fühlt. Gut sind Latten mit Kunstrasen oder Kokosmatte und Naturäste in verschiedenen Stärken.
  4. Ein Block oder Stein. Falken stehen am liebsten mit gestreckten Zehen, wie auf einem Stein. Habichte und Bussarde stehen mit gekrümmten Zehen, wie auf einem Ast.
  5. Die Badewanne. Der Vogel muss jeden Tag baden können, wenn es nicht friert. Das Baden hält das Gefieder in Ordnung.
  6. Futter- und Wasserklappe. Wenn Sie von außen füttern und das Wasser wechseln können, wird der Vogel nicht jedes Mal gestört.
  7. Feste Wände. Die meisten Vögel fühlen sich mit mindestens drei Wänden aus festen, undurchsichtigen Platten am wohlsten. Eine Voliere ganz aus Draht ist nicht ideal – der Vogel kann ins Netz fliegen und sich Schwanz, Flügel und die Wachshaut über dem Schnabel verletzen. Wo Netz ist, muss es abgeschirmt werden.

Und dann die Schleuse: ein Doppeltürsystem, damit der Vogel nicht entwischt, wenn Sie hineingehen. Der Boden kann aus Kies, Sand oder Rundkies bestehen, der regelmäßig geharkt wird – aber nicht in der Mauser, wenn der Vogel Ruhe braucht.

So sieht es bei uns aus – die Falken

Unsere Gäste sehen die Volieren nicht, denn die Vögel brauchen Ruhe zum Brüten, Gefiederputzen und Baden – erleben kann man sie nur bei unseren Flugvorführungen.

Gerfalken auf einem überdachten Sitzbrett mit Markierungen für Dach, Wände, Sitzbrett und überdachten Bereich

Gerfalken in der Voliere im Ørnereservatet. Foto: Ørnereservatet. Grafik: Ørnereservatet

Was sehen Sie? (1) Ein festes Dach gibt Schutz und Schatten. (2) Die Wände sind aus Holz, sodass die Vögel nicht hindurchsehen und unruhig werden. (3) Das Sitzbrett hat eine weiche Oberfläche, die die Füße schont. (4) Dahinter liegt ein überdachter, dunklerer Bereich, in den sich die Vögel zurückziehen können. Beachten Sie auch, dass es mehrere Sitzplätze gibt – die Vögel wählen selbst.

Erfahrungen aus unserer neuen Falkenanlage

In unserem eigenen Magazin, Eagle World Magasin Nr. 01 (2022, S. 12), haben wir über die neue Falkenanlage berichtet, die wir im Herbst 2021 gebaut haben. Es sind Volieren für kleinere Falken – nicht für Adler. Hier die wichtigsten Erfahrungen:

  • Jeder Vogel bzw. jedes Paar hat seine eigene Voliere.
  • Holz ist das wichtigste Baumaterial. Holz ist leise. Stahlbleche sind laut, wenn der Wind Äste aufs Dach schlagen lässt oder der Regen dagegen prasselt. Holz wurde auch aus Gründen der Nachhaltigkeit gewählt.
  • Volieren nutzen sich ab. Viele der alten waren vor 40 Jahren gebaut worden und mussten ersetzt werden. Die neuen sind mit mehr Fokus auf Haltbarkeit gebaut, und den kleinen Details wurde mehr Sorgfalt gewidmet.
  • Bauarbeiten sind ein Risiko. Die Vögel mussten vorübergehend umziehen, und während die alten Volieren abgerissen wurden, konnten ihre natürlichen Feinde – etwa Mink, Iltis und Marder – näher herankommen.
  • Die Einrichtung ist von Vogel zu Vogel verschieden. Größe, Anordnung und Größe der Sitzstangen und die Nähe zu Bäumen sind alle wichtig. Es ist ein Prozess, bei dem man immer offen für neue Erkenntnisse sein muss – auch von den großen Reservaten in Europa, mit denen wir zusammenarbeiten.

So sieht es bei uns aus – die Adler

Seeadler fliegt in einer großen Voliere mit Netzdach auf Holzsparren, abgeschirmten Seiten und einem kräftigen Stamm

Seeadler in der großen Adlervoliere an einem Wintertag. Foto: Ørnereservatet. Grafik: Ørnereservatet

Was sehen Sie? (1) Das Dach ist ein über Holzsparren gespanntes Netz. (2) Es lässt Licht, Sonne und Regen herein. (3) Die Seiten sind mit senkrechten Stäben abgeschirmt. (4) Ein kräftiger Stamm dient als Sitzplatz – ein Adler braucht etwas, das ihn trägt. (5) An den Seiten ist feines Netz. Und das Wichtigste: Hier hat der Adler Platz, die Flügel ganz auszubreiten und zu fliegen. Ein Seeadler ist ein großer Vogel, deshalb muss die Adlervoliere viel größer sein als die des Falken.

Unsere Anlagen für Adler sind riesig. Die Flugtrainingsanlage ist so groß wie ein Fußballfeld und auf Google Maps zu sehen: Die Anlage aus der Luft ansehen.

Drohnenfoto des Ørnereservatet aus der Luft

Das Ørnereservatet aus der Luft. Drohnenfoto: Peter Frank Wenzel

Umriss eines Fußballfelds neben der Flugtrainingsanlage für Adler im Ørnereservatet

Unsere Flugtrainingsanlage im Vergleich mit einem Fußballfeld (nicht maßstabsgetreu). Grafik: Ørnereservatet

Unsere eigenen Volieren werden laufend instand gesetzt und gegen Mink gesichert. Eine Voliere ist nie fertig.

So machen sie es in anderen Ländern

England. The Hawk Board, der Dachverband der britischen Falknerorganisationen, hat einen Kodex für Tierwohl und Haltung herausgegeben. Er nennt keine festen Maße, sondern eine Checkliste: Der Vogel muss immer Zugang zu sauberem Wasser zum Trinken und Baden haben. In Irland schreibt die Naturschutzbehörde NPWS, dass Greifvögel außerhalb des Trainings frei in Volieren gehalten werden sollten und dass die kleinen traditionellen „Mews" kein Ort sind, an dem ein Vogel lange leben sollte.

USA. Hier sind die Regeln bundesweit (50 CFR § 21.82). Die Anlage muss genehmigt sein, bevor man einen Vogel bekommen darf. Sie muss vor Raubtieren und Haustieren schützen, für jeden Vogel einen geeigneten Sitzplatz, mindestens eine Öffnung für Sonnenlicht haben und so groß sein, dass der Vogel beim Abflug von der Stange nicht an die Seiten stößt. Nicht feste Wände müssen innen geschützt werden, z. B. mit senkrechten Stäben, deren Abstand kleiner ist als der Körper des Vogels. Die Bundesstaaten dürfen strengere Anforderungen stellen. In Ontario in Kanada empfiehlt der Falknerclub zum Beispiel, gewöhnlichen Hühnerdraht nicht als tragende Abschirmung zu verwenden.

Vereinigte Arabische Emirate. Das Abu Dhabi Falcon Hospital wurde am 3. Oktober 1999 eröffnet. Wenn es im Sommer zu heiß zum Fliegen wird, mausern die Falken in großen Freiflugvolieren, wo sie etwa sechs Monate bleiben. Es sind fantastische Anlagen – aber das Prinzip ist dasselbe wie in einem Garten in Vendsyssel: Platz, Ruhe, sauberes Wasser und Sicherheit.

Für die meisten Falkner geht es nicht um Marmor und Klimaanlage, sondern um eine solide, durchdachte Voliere, die genau für den Vogel gebaut ist, den man hat.

Kurz gesagt

Bauen Sie die Voliere, bevor Sie den Vogel bekommen. Bauen Sie sie solide, und durchdenken Sie die Einrichtung. Und seien Sie ehrlich zu sich selbst: Haben Sie die Zeit? Der Vogel braucht sie.

Wenn Sie die Vögel in Wirklichkeit erleben möchten, kommen Sie zu einer Flugvorführung ins Ørnereservatet.

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Quellen

 

 

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